Darf ich (mich) kurz vorstellen?

Eine Calvinistin in der Heimat des Luther
Geboren wurde ich in Dokkum, jener friesischen Stadt in den Niederlanden, die vor allem dadurch bekannt geworden ist, dass dort Bonifatius im Jahr 754 ermordet wurde. Keine Sorge: Die Zeiten haben sich geändert! Die Einwohnerinnen und Einwohner Dokkums tragen dafür heute keine Verantwortung mehr. Außerdem erzählt die Geschichte des Bonifatius weit mehr als nur sein gewaltsames Ende. Geboren in England, gestorben in den Niederlanden und begraben in Deutschland steht er für einen Glauben, der Grenzen überschreitet und Menschen miteinander verbindet. Vielleicht ist es deshalb gar nicht so ungewöhnlich, dass eine Calvinistin in der Heimat Luthers heimisch geworden ist.
Geprägt wurde ich von der niederländischen Kirchenlandschaft, die eine bemerkenswerte Vielfalt reformierter Traditionen kennt. Nicht weniger als vierzehn unterschiedliche reformierte Konfessionen prägen dort das kirchliche Leben. Diese Vielfalt hat mich früh gelehrt, dass christlicher Glaube viele Ausdrucksformen kennt und dass Einheit nicht Gleichförmigkeit bedeutet.
Theologie studiert habe ich in Kampen und Göttingen. Mich faszinierte das Wort, das am Anfang der Schöpfung steht und das nach dem Zeugnis des Johannesevangeliums Mensch geworden ist. Ich wollte verstehen, warum Worte Menschen bewegen, trösten und verändern können. Im Studium entdeckte ich die Bibel zunehmend als einen Schatz von Geschichten, Bildern und Symbolen, deren Wahrheit nicht unbedingt und per se in historischen Fakten liegt, sondern in ihrer Kraft, unser Leben zu deuten und Hoffnung zu wecken. Bis heute bewegt mich die Frage, wie diese Worte Menschen Hoffnung schenken, sie ermutigen und ihnen neue Perspektiven eröffnen können.
Mein Lebensweg führte mich durch verschiedene Stationen und Erfahrungen. Durch die Heirat mit meinem deutschen Mann kam ich nach Deutschland. Aus unserer Ehe gingen drei Kinder hervor. Wie viele andere Menschen kenne auch ich die Höhen und Tiefen menschlichen Lebens, die Freude gelingender Beziehungen ebenso wie die Erfahrungen von Abschied und Neuanfang.
Über fünfundzwanzig Jahre war ich Pfarrerin der Niederländischen Kirche in Deutschland. Die Niederländische Kirche in Deutschland ist eine Auslandsgemeinde der Protestantischen Kirche in den Niederlanden. In dieser Zeit durfte ich Menschen unterschiedlichster Herkunft begleiten und erfahren, wie bereichernd Begegnungen über kulturelle und konfessionelle Grenzen hinweg sein können.
Nun bin ich seit dem 1. September 2024 Pfarrerin der Gemeinde Martha. Aus der reformierten Tradition bringe ich die Liebe zum Wort, zur theologischen Reflexion und zu einer eher schlichten Frömmigkeit mit. Im lutherischen Umfeld der Martha-Gemeinde habe ich die Schönheit der Liturgie, der Kirchenmusik und die Kraft eines ritualisierten Lebens schätzen gelernt. Ja, es gibt sie: die Unterschiede zwischen der reformierten und lutherischen Konfession. Viel wichtiger als die Unterschiede ist mir jedoch das Gemeinsame: die Freude am Evangelium und die Hoffnung, die daraus wächst.
Wenn ich nicht lese oder arbeite, findet man mich häufig zwischen Büchern. Romane begleiten mich ebenso wie theologische Fachliteratur. Besonders interessieren mich die Fragen an der Schnittstelle von Glaube und Wissenschaft.
Darüber hinaus begeistern mich die Gemälde und Briefe des niederländischen Malers Vincent van Gogh. Seine Bilder und seine Worte erzählen von einer tiefen Sehnsucht nach Licht, Sinn und Hoffnung. Besonders berührt mich sein Gedanke, dass die Nacht mehr Farben und Licht in sich trägt als der Tag.
Ich freue mich darauf, gemeinsam mit den Menschen aus unserer Gemeinde und darüber hinaus, nach diesen Spuren von Licht und Hoffnung Ausschau zu halten.
Ihre Rens Dijkman-Kuhn